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Abschluss des Berufungsprozesses: Der Anfang vom Ende der Ära Le Pen?

Für die französische Rechtsradikale Marine Le Pen geht es beim Berufungsprozess wegen mutmaßlicher Veruntreuung von EU-Geldern um ihre politische Zukunft. Verliert sie, kann sie wohl nicht als Präsidentschaftskandidatin antreten.
Am Ende seines Plädoyers setzt Marine Le Pens Anwalt, Rodolphe Bosselut, auf ein persönliches Argument - und auf Pathos: "Meine Mandantin vertraut Ihnen ihr Lebenswerk an", wendet sich Bosselut an die Richter. Allerdings nicht ohne auf den Kontext des Prozesses einzugehen: Mit Blick auf die anstehende Präsidentschaftswahl müssten die Richter eine so wörtlich "schwindelerregende" Entscheidung treffen.
"Eine fast schon politische Entscheidung also?", fragt später ein Journalist. Nein - aber eine juristische Entscheidung mit politischen Konsequenzen, entgegnet Le Pens Anwalt. Für die dreifache Präsidentschaftskandidatin des rechtsnationalen Rassemblement National (RN) geht es um nicht weniger als ihre politische Zukunft.
Staatsanwältin: Organisiertes System der Veruntreuung
Neben einer Gefängnis- und einer Geldstrafe fordert die Staatsanwaltschaft - wie schon in erster Instanz - dass Le Pen fünf Jahre lang nicht bei Wahlen antreten darf. Forderungen, die Staatsanwältin Marie-Suzanne Le Quéau im Interview bei France Inter öffentlich rechtfertigt. Die Richter interessierten sich nicht für das persönliche Schicksal von Politikerinnen und Politikern, sagt Le Quéau. Sie bewerteten Fakten, träfen Entscheidungen und sollten die Fakten Straftaten darstellen, dann sprächen sie eine Strafe aus.
Weiter sagt die Staatsanwältin im Interview: "Worüber reden wir denn im Prozess um die parlamentarischen Assistenten des Rassemblement National? Über ein organisiertes System, über die Veruntreuung öffentlicher europäischer Gelder durch eine Partei, und das über etwa zehn Jahre - mit einem Schaden von gut drei Millionen Euro für das Europäische Parlament."
Bardella als Ersatzplan
Sollten die Richter den Forderungen stattgegeben, würde das - aller Wahrscheinlichkeit nach - das Ende für Le Pens Präsidentschafts-Projekt 2027 bedeuten. Marine Le Pen, die jahrzehntelang die "dédiabolisation", die Ent-Dämonisierung ihrer Partei vorangetrieben und den rechtsnationalen Rassemblement National politisch salonfähig gemacht hat, könnte nicht noch einmal antreten. In diesem Fall würde der 30-jährige RN-Parteichef Jordan Bardella die Präsidentschaftskandidatur übernehmen.
"Wir sind sehr unterschiedlich - und ich habe Marine immer bewundert. Dank ihr stehe ich heute dort, wo ich bin. Marine hat nie resigniert. Sie ist eine Kämpferin, stellt sich jeder Prüfung und hat auch ihre Gegner und die politischen Beobachter oft überrascht. Sie kämpft voller Entschlossenheit und Überzeugung", lobt der RN-Parteichef Le Pen im Fernsehsender BFM.
Doch für den Rassemblement National könnte der "Plan B" - der Ersatzplan - der aussichtsreichere sein: In aktuellen Umfragen zieht Bardella an seiner politischen Mentorin vorbei. Auch die Mehrheit der RN-Anhänger hält ihn für den chancenreicheren Kandidaten. Er stehe an der Seite von Le Pen, betont Bardella bei BFM, und versichert ihr seine "totale Loyalität".
Le Pen und Bardella - unterschiedliche Linien
Bisher war die Rollenverteilung zwischen Le Pen und Bardella klar: sie die Präsidentschaftskandidatin, er der Aspirant für das Amt des Regierungschefs. Inhaltlich verkörperten Le Pen und Bardella unterschiedliche Linien, die für die Partei aber beide wichtig seien, erklärt Mathieu Gallard, Forschungsleiter beim Umfrage-Institut IPSOS. "Die von Marine Le Pen ist eine eher populistische, Anti-System-Strategie - die darauf abzielt 'das Volk' allgemein anzusprechen. Jordan Bardella arbeitet eher auf einen Zusammenschluss der rechten Parteien hin. Er vertritt wirtschaftlich eher liberale Positionen, fährt gesellschaftspolitisch und was Werte betrifft eine konservative Linie. Damit versucht er, auch die klassisch konservative Wählerschaft anzusprechen."
Wenn Marine Le Pen von der Wahl ausgeschlossen wird, könnte das zu Spannungen und Richtungskämpfen innerhalb des RN führen, sagt Gallard. Dass diese möglichen Auseinandersetzungen den Wahlkampf der Partei gefährden, hält er für unwahrscheinlich. Aber: "Sollte Bardella der Meinung sein, dass seine Linie die bessere ist - und sogar versuchen, sie gegen Marine Le Pen durchsetzen zu wollen, dann könnte das zu Problemen führen. Der Großteil der wichtigen Leute innerhalb des RN stehen hinter Marine Le Pen, vertreten eher ihre Linie. Und Jordan Bardella könnte also ziemlich schnell isoliert werden."
Von einem möglichen Ende der Ära Le Pen zu sprechen, wäre also verfrüht - auch, wenn sie von der Präsidentschaftswahl ausgeschlossen bleiben sollte. Trotzdem ist dieser Prozess eine Weichenstellung für die Wahl im kommenden Jahr. Und er könnte die Machtverhältnisse innerhalb des RN verschieben. Das Urteil soll am 07. Juli fallen.
Industriegipfel in Antwerpen: Merz will weniger Regeln für Europas Wirtschaft

Deregulierung und eine "Made in Europe"-Quote: Deutschland und Frankreich wollen sich für Wirtschaftsreformen in der EU stark machen - wenn auch auf unterschiedlichen Gebieten. Bei der Industrie stößt das zumindest zum Teil auf offene Ohren.
Vor dem EU-Gipfel in Antwerpen haben Deutschland und Frankreich Reformen für die kriselnde Wirtschaft gefordert - allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Kanzler Friedrich Merz plädierte bei einem Industrietreffen für die weitreichende Abschaffung von Regeln für Unternehmen. "Wir müssen jeden Sektor deregulieren", sagte er.
Kleine Korrekturen an Gesetzen reichten seiner Ansicht nach nicht aus. Als Beispiel nannte er das kürzlich abgeschwächte EU-Lieferkettengesetz. Die europäischen Institutionen seien "nicht so schnell, wie sie sein müssten", so der Kanzler weiter.
Europa soll "eigenständige Macht" werden
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron pochte darauf, die europäische Industrie schnell gegenüber unfairem internationalem Wettbewerb zu schützen. Er sei nicht für Protektionismus, sagte Macron, aber die EU müsse handeln, "um der Zersplitterung, der Schwächung und wahrscheinlich der Demütigung Europas ein Ende zu setzen". Europa müsse "eine eigenständige Macht" werden.
Er warb erneut dafür, europäische Unternehmen in Ausschreibungen im öffentlichen wie im privaten Sektor zu bevorzugen. In China und den USA sei das längst der Fall. Die EU sei "verrückt", europäische und andere Unternehmen gleich zu behandeln.
Macron wies darauf hin, dass es ohne Schutzvorschriften etwa in drei bis fünf Jahren keine Stahlindustrie oder Chemieunternehmen in Europa mehr geben werde. Dies hätte dann auch katastrophale Folgen für die Pharma- und Agrarindustrie. Die EU müsse sehr schnell handeln.
Von der Leyen offen für "Made in Europe"-Quote
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich in einer Rede offen für den Vorschlag Frankreichs, verpflichtende Quoten für europäische Produkte bei öffentlichen Investitionen einzuführen. Das öffentlich Beschaffungswesen sei ein mächtiger Hebel für die Industrie, erklärte von der Leyen.
Die EU-Kommission will in den kommenden Wochen dazu einen Gesetzesvorschlag vorlegen. Der Schritt ist allerdings umstritten, Teile der Industrie fürchten hohe Kosten. Merz mahnte deshalb, solche "Made in Europe"-Quoten müssten "das letzte Mittel" sein. Er forderte, sie nur in strategisch besonders wichtigen Branchen anzuwenden.
CO2-Handel soll überarbeitet werden
Von der Leyen drängte zudem darauf, mehr Einnahmen aus Klimazertifikaten in die Industrie zurückfließen zu lassen. Die Mittel stammten aus der Industrie und sollten auch dort reinvestiert werden, sagte sie. Das werde ein zentraler Punkt der anstehenden Reform des CO2-Emissionshandelssystems im Sommer sein.
Merz stelle das aktuelle Emissionshandelssystem grundsätzlich infrage: Dieses solle den Unternehmen eigentlich den Übergang zu einer klimafreundlicheren Produktion ermöglichen. "Sollte dies nicht möglich sein und es sich nicht um das richtige Instrument handeln, sollten wir sehr offen für eine Überarbeitung oder zumindest für eine Verschiebung sein."
Industrie fordert mehr Wettbewerbsfähigkeit
Die europäischen Industrieverbände forderten ebenfalls grundlegende wirtschaftspolitische Reformen. "Uns fehlt das große Ganze, um die europäische Industrie zurück auf Wachstumskurs zu bringen", sagte der BASF-Chef und Vorsitzende des europäischen Chemieverbandes Cefic, Markus Kamieth.
"Der europäische Binnenmarkt ist der größte Wirtschaftsraum der Welt, bleibt aktuell aber fragmentiert, stark reguliert und in zentralen Bereichen unvollendet", warnte auch die deutsche Wirtschaftsinitiative "Made for Germany", der sich branchenübergreifend 123 große Unternehmen und Investoren wie die Deutsche Bank, Siemens oder der Axel-Springer-Verlag angeschlossen haben. "Viele europäische Unternehmen verlieren täglich an Wettbewerbsfähigkeit."
Es brauche zunächst einen "Regulierungsstopp" und dann eine "Regulierungsreform", fordern die Unternehmen. EU-Gesetze müssten "konsequent auf technologische Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum ausgerichtet sein". Auch der Bundesverband der Industrie (BDI) forderte eine "spürbare Deregulierung".
Warnung vor "riskantem Umbau der EU"
In einer gemeinsamen Erklärung forderten die Unternehmen und Verbände von Staats- und Regierungschefs ein politisches Vorgehen, ähnlich wie während der Corona-Pandemie. Die Krise habe damals überwunden werden können, weil Maßnahmen ergriffen wurden, die als unmöglich galten. "Wir brauchen denselben Ansatz für die industrielle Wirtschaftsfähigkeit", heißt es in dem Papier weiter.
Die Organisation Lobby-Control warnte vor einem "riskanten Umbau der EU": "Regeln werden geschwächt, die Konzernlobby bekommt mehr Einfluss, kritische Stimmen werden an den Pranger gestellt." Der Verweis auf die angeblich fehlende Wettbewerbsfähigkeit lasse zugleich die Kosten für Gesundheit und Umwelt außer acht.
Nächster Schritt zu Reform: Wie der Führerschein günstiger werden soll

Der Führerschein soll künftig weniger kosten, sagt die Bundesregierung. Verkehrsminister Schnieder stellte weiterentwickelte Vorschläge vor. Dürfen bald Eltern oder Freunde bei der Ausbildung helfen?
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat in einem nächsten Schritt zu einer Reform umfassende Vorschläge für einen günstigeren Führerschein vorgelegt. "Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer", sagte der CDU-Politiker in Berlin.
Nach einer Arbeitsgruppe mit den Ländern legte das Ministerium nun einen detaillierten Katalog vor. Der Erwerb des Führerscheins solle einfacher und digitaler werden, für Fahrschulen solle es weniger Bürokratie geben. Schnieder will außerdem mehr Preistransparenz schaffen: Fahrschulen sollen Preise online verfügbar machen. Die Daten sollen dann Vergleichsportale aufbereiten können.
Was soll sich am Unterricht ändern?
Konkret geplant ist die Möglichkeit eines reinen theoretischen Online-Unterrichts. Fahrschulen sollen auf die Anmietung oder den Erwerb von Schulungsräumen verzichten können. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll um knapp 30 Prozent von derzeit 1.169 auf etwa 840 Fragen verringert werden.
Die Zahl verpflichtender Sonderfahrten beim Pkw-Führerschein - das sind etwa Autobahnfahrten - soll verringert werden. "Wir haben im Moment zwölf Sonderfahrten, europarechtlich vorgeschrieben ist überhaupt keine", sagte Schnieder. Diese speziellen Fahrstunden sollen daher für den Pkw-Führerschein auf drei reduziert werden - je eine auf der Autobahn, über Land- und Bundesstraßen und bei Dunkelheit.
Wer auch einen Schaltwagen fahren will, muss statt bislang zehn nur noch sieben Fahrstunden in einem Auto mit Gangschaltung absolvieren.
Dürfen künftig auch Eltern oder Freunde bei der Ausbildung helfen?
Die sogenannte Laienausbildung - also begleitetes Fahren mit Eltern oder Freunden - soll auch in Deutschland erprobt werden. Voraussetzung ist die bestandene Theorieprüfung und mindestens sechs praktische Fahrstunden. Die Begleitpersonen - es dürfen maximal zwei sein - müssen mindestens seit sieben Jahren einen Führerschein haben und das Auto muss gekennzeichnet sein. In Österreich, wo die Laienausbildung bereits eingeführt ist, ist es eine blaue Tafel mit weißem L.
Diese Neuerung soll laut Minister Schnieder nicht direkt zur Regel werden. Zunächst sollen die Länder die Möglichkeit bekommen, diese Neuerung fünf Jahre lang auszuprobieren.
Wer bestimmt eigentlich die Preise?
Einen Pauschalpreis oder gesetzliche Vorgaben für die Preisgestaltung gibt es nicht. Das heißt, Fahrschulen bestimmen die Preise für Theorieunterricht und Fahrstunden selbst.
Die Gebühren für die theoretische und praktische Führerscheinprüfung bei TÜV oder DEKRA sind dagegen gesetzlich festgelegt.
Wie haben sich die Kosten entwickelt?
Die Kosten liegen nach Angaben von Verkehrsminister Schnieder im Schnitt bei rund 3.400 Euro - in manchen Regionen sei es auch deutlich mehr, bis zu 4.000 oder sogar 4.500 Euro.
Laut Statistischem Bundesamt sind die Kosten von 2021 bis 2024 überdurchschnittlich stark gestiegen - jeweils stärker als die Verbraucherpreise insgesamt. Im Jahr 2024 waren die Kosten gegenüber dem Vorjahr um 5,8 % gestiegen. Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im selben Zeitraum um 2,2 %.
Welche Folgen haben die Kosten für die Fahrschulen?
Schnieder hatte bereits im vergangenen Oktober erste Vorschläge gemacht. Seitdem ist laut Fahrlehrerverbänden in vielen Fahrschulen die Zahl der Anmeldungen eingebrochen. Der Grund: Viele potenziell neue Fahrschüler warten ab, bis der Führerschein günstiger wird.
Einer bundesweiten Umfrage unter 2.400 Fahrschulen des Interessenverbandes "Moving" zufolge gibt es weniger Anmeldungen in Großstädten: Dort melden 90 Prozent der befragten Fahrschulen einen Rückgang um 58 Prozent. In ländlichen Regionen geben 80 Prozent der befragten Fahrschulen Einbußen um 52 Prozent an.
Laut TÜV-Experte Richard Goebelt sei im letzten Quartal 2025 zwar noch kein Rückgang der Anmeldezahlen festzustellen. Er rechne aber damit, dass sich die Zahlen zeitversetzt in den Anmeldezahlen für das erste Quartal 2026 niederschlagen.
Wie viele Menschen machen einen Führerschein?
Trotz der hohen Kosten hat die Zahl der Fahrprüfungen in Deutschland 2025 ein Allzeithoch erreicht. Über alle Klassen hinweg wurden im vergangenen Jahr laut Datenerhebung des TÜV-Verbands mehr Theorie- und mehr Praxisprüfungen abgelegt. Die Zahl der Theorieprüfungen stieg um 1,6 Prozent auf 2,04 Millionen, die Zahl der Praxisprüfungen um 4,9 Prozent auf rund 1,89 Millionen, wie der TÜV mitteilte.
Mit Abstand am häufigsten wird der Autoführerschein gemacht. Die Mehrheit der Fahrschülerinnen und -schüler bestand die Prüfung für den Autoführerschein im vergangenen Jahr im ersten Anlauf: In der Theorie waren es 63 Prozent, in der Praxisprüfung 65 Prozent. Bei Wiederholungsprüfungen liegt die Bestehensquote laut TÜV in der Theorie bei 44 Prozent und in der Praxis bei 58 Prozent.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Minister hofft auf eine Einigung auf ein Reformpaket bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März, danach könnten rechtliche Änderungen auf den Weg gebracht werden.
Lufthansa-Streik: Was Reisende jetzt wissen sollten

Piloten und Flugbegleiter der Lufthansa streiken am Donnerstag gleichzeitig - mit starken Einschränkungen für Passagiere. Welche Flüge ausfallen, warum gestreikt wird und welche Alternativen es gibt.
Wer streikt wo und wann?
Die Piloten streiken bei den Airlines Lufthansa und Lufthansa Cargo. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat das Personal ebenfalls bei der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie bei der Regionaltochter Cityline zu einem Warnstreik aufgerufen. Neben den Drehkreuzen Frankfurt und München sind auch die Flughäfen in Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Berlin und Hannover direkt betroffen. Der Streik soll am Donnerstag um 00.01 Uhr beginnen und bis 23:59 Uhr dauern.
Welche Flüge fallen aus?
Eine konkrete Anzahl von Flügen, die ausfallen, hat die Lufthansa nicht genannt; das Unternehmen hat aber umfangreiche Flugausfälle angekündigt und will betroffene Passagiere automatisch benachrichtigen. Grundsätzlich aber sollen sämtliche Starts ab Deutschland bestreikt werden. Nicht betroffen von dem Streikaufruf sind zum Beispiel Eurowings und Discover.
Welche Alternativen gibt es?
Laut Lufthansa gibt es bei der Annullierung eines Flugs die Möglichkeit, kostenlos auf nicht bestreikte Verbindungen umzubuchen. Inlandsflüge können durch Bahnfahrkarten ersetzt werden.
Welche Rechte haben Passagiere?
Werden durch einen Streik Flüge gestrichen oder sind sie stark verspätet, müssen Fluggesellschaften ihre Passagiere entschädigen. Die Summe der Entschädigung kann dabei zwischen 250 Euro und 600 Euro liegen. Außerdem müssen Airlines schnellstmöglich Alternativen - über andere Fluggesellschaften oder Verbindungen mit Umstiegen - organisieren.
Passagiere, die auf den Flug verzichten, können den Ticketpreis zurückfordern. Am Flughafen haben Betroffene Anspruch auf Essen, Getränke und zwei kostenlose Telefonate. Bei längeren Wartezeiten erstattet die Airline auch Hotelkosten.
Worum geht es bei diesem Streik?
Es geht den Piloten um höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten für die rund 4.800 Beschäftigten. Die Kabinengewerkschaft Ufo fordert Verhandlungen zu verbindlichen Tarifverträgen inklusive einem Sozialplan für die Mitarbeitenden bei der Lufthansa und der Regionaltochter Cityline, weil rund 800 Jobs bedroht seien.
Krieg gegen die Ukraine: Selenskyj stellt Bedingungen für Präsidentenwahl

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat einen Zeitungsbericht dementiert, wonach bereits im Mai Neuwahlen stattfinden könnten. Bevor gewählt werde, müsse eine Waffenruhe gelten und die Sicherheit der Ukraine garantiert werden.
Die Ukraine wird nach Worten ihres Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Wahlen erst dann abhalten, wenn es eine Waffenruhe mit Russland sowie internationale Sicherheitsgarantien für das Land gibt. Damit reagierte er auf einen Bericht der britischen Zeitung Financial Times (FT).
In dem FT-Artikel hieß es, in der Ukraine könnte es möglicherweise schon vor dem 15. Mai Präsidentenwahlen geben. Die Zeitung berief sich dabei auf ukrainische und westliche Quellen. Selenskyj selbst wurde in dem Bericht nicht zitiert.
Die Zeitung schrieb weiter, der Präsident könnte am 22. Februar, dem vierten Jahrestag der russischen Invasion, die Wahl ausrufen. Grund sei der Druck der USA. Im Mai solle dann parallel über das Staatsoberhaupt und eine bis dahin zu erreichende Friedensregelung mit Russland abgestimmt werden. Nun also Selenskyjs Dementi.
Voraussetzung für Neuwahl
Der ukrainische Präsident hatte sich im Dezember bereit erklärt, Wahlen auch unter dem derzeit geltenden Kriegsrecht abzuhalten. Doch schon damals sagte Selenskyj, Voraussetzung sei, dass die Sicherheit der Wahl gewährleistet sei und es eine gesetzliche Grundlage gebe.
Selenskyj reagierte damals darauf, dass US-Präsident Trump indirekt das russische Narrativ übernommen hatte, wonach Selenskyj kein legitimer Präsident der Ukraine sei.
Russland behauptet seit langem, dass die Amtszeit Selenskyjs abgelaufen sei. Laut der ukrainischen Verfassung sind unter Kriegsrecht keine Wahlen vorgesehen. Der entsprechende Artikel kann nur vom Parlament geändert werden.
Mehrere Tote und Verletzte: Kanadische Polizei identifiziert mutmaßliche Täterin

Nach dem Schusswaffenangriff sitzt der Schock in der kleinen Gemeinde Tumbler Ridge in den Rocky Mountains tief. Eine 18-Jährige soll acht Menschen und sich selbst erschossen haben. Noch sind viele Fragen ungeklärt.
Es war ein Tag der Trauer in ganz Kanada. Die schreckliche Nachricht über den Tod von acht Menschen, darunter fünf Schülerinnen und Schüler und eine Lehrerin hat das gesamte Land erschüttert.
Premierminister Mark Carney ordnete an, dass sieben Tage lang alle Flaggen an kanadischen Regierungsgebäuden auf Halbmast wehen sollen. Nach einer Schweigeminute im Parlament wandte er sich an die Menschen in Tumbler Ridge.
"Den Familien, die ihre Liebsten verloren haben: Wir trauern mit euch", sagte er. "Denen, die sich von Verletzungen erholen: Wir beten für euch. Den Schülern, Lehrern, Eltern - allen Bewohnern von Tumbler Ridge - ganz Kanada steht hinter euch."
18-Jährige als mutmaßliche Täterin identifiziert
Die Polizei ermittelt auf Hochtouren, um die Motive der Tat zu ergründen. Die mutmaßliche Täterin sollen die Ermittler bereits identifiziert haben - eine 18-Jährige, die den örtlichen Behörden bekannt war.
Die Polizei sei in den vergangenen Jahren mehrfach an der Wohnadresse der Familie im Einsatz gewesen, sagte Dwayne McDonald von der Royal Canadian Mounted Police. Die Tatverdächtige soll an psychischen Problemen gelitten haben. Am Tatort in der Tumbler Ridge Secondary School soll sie sich selbst erschossen haben, nachdem sie zuvor sechs anderen Menschen das Leben nahm.
Täterin soll Mutter und Stiefbruder erschossen haben
Bei den Opfern handelt es sich der Polizei zufolge um drei Schülerinnen und zwei Schüler im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Außerdem wurde eine Lehrerin getötet.
"Ich kann sagen, dass die Verdächtige nicht verwandt war mit den Opfern an der Schule", sagte McDonald. "Aber sie war verwandt mit den beiden Toten, die in einem Wohnhaus gefunden wurden."
Die Getöteten in dem privaten Wohnhaus in der Nähe der Schule sollen die Mutter und der Stiefbruder der Tatverdächtigen sein.
In der Vergangenheit wurden Waffen beschlagnahmt
Die Familie soll in der Vergangenheit Waffen besessen haben, die die Polizei zwischenzeitlich beschlagnahmt hatte. Später hätte der rechtmäßige Eigentümer dieser Schusswaffen die Rückgabe beantragt und zurückerhalten, sagte der Polizist.
Ob es sich bei einer dieser Waffen auch um die handelt, mit denen die Tatverdächtige auf Schüler geschossen hat, ist nicht bekannt.
Zahlreiche Verletzte
Neben den zu beklagenden Toten gibt es auch mehr als 24 Verletzte. Zwei seien noch in kritischem, aber stabilen Zustand.
Für die Menschen in Tumbler Ridge ist es eine traumatische Erfahrung im sonst eher idyllischen Ort im Westen Kanadas in einem Tal der Rocky Mountains. Gerade einmal 2.400 Einwohner hat die Gemeinde - für Bürgermeister Darryl Krakowka sind die Einwohner wie eine große Familie. "Jetzt unterstützen sich alle gegenseitig", sagte er. "Jeder kennt hier jeden."
Waffen weit weniger verbreitet als in USA
Schusswaffenangriffe an kanadischen Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen kommen in Kanada eher selten vor. Die Tat in Tumbler Ridge zählt nun zu den tödlichsten dieser Art seit 1989.
Die Waffengesetze in Kanada sind zwar etwas liberaler als in Deutschland. Trotzdem sind Schusswaffen deutlich weniger verbreitet als in den USA. Und auch deutlich strenger reguliert als im Nachbarland.
Deeskalation im Grönland-Streit: NATO startet Arktis-Mission "Arctic Sentry"

Die NATO erhöht ihre Militärpräsenz in der Arktis. Es geht um Abschreckung und um die Verteidigung des Nordens. Zugleich soll der Streit um Grönland zwischen den USA und Dänemark entschärft werden.
Mit einer neuen Arktis-Mission will die NATO den Streit um Grönland, den US-Präsident Donald Trump ausgelöst hatte, deeskalieren. Die Allianz startete dazu ihren Einsatz mit dem Namen "Arctic Sentry" ("Wächter der Arktis").
Er werde die Stärke der NATO nutzen, um sicherzustellen, dass die Arktis und der hohe Norden sicher bleiben, erklärte der Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Europa, US-General Alexus Grynkewich. Die Mission folgt auf Trumps Forderungen, die Arktis vor russischem und chinesischem Einfluss zu schützen.
Deutschland will sich mit Flugzeugen beteiligen
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im Januar signalisiert, dass Deutschland Kapazitäten für die Mission bereitstellen würde. Nun kündigte der SPD-Politiker an, die Bundeswehr werde vier Eurofighter-Kampfjets einsetzen. Zudem werde man auch die "entsprechenden Betankungsmöglichkeiten in der Luft" sicherstellen.
"Arctic Sentry" soll vom operativen Hauptquartier Norfolk im US-Bundesstaat Virginia geführt werden. Dieses ist unter anderem für den Atlantik, die Arktis, Grönland, Island, Norwegen und Großbritannien sowie seit Kurzem auch für Dänemark, Schweden und Finnland zuständig.
Alliierte regten verstärkte Bündnispräsenz an
Die verstärkte Bündnispräsenz im hohen Norden war von Alliierten wie Großbritannien angeregt worden, um den Streit um Grönland zu entschärfen. Trump hatte zeitweise mit Strafzolldrohungen einen Verkauf der riesigen Insel an sein Land erzwingen wollen. Sein Vorgehen begründete er mit der Behauptung, dass das zu Dänemark gehörende Territorium sonst nicht vor Russland und China sicher sei.
Grönland ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.
Gespräche über Grönland-Vereinbarung in Davos
Zuletzt teilte Trump dann nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, dass ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktis-Region entworfen worden sei. Dieser sieht unter anderem vor, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Alliierten zu gewährleisten.
Angaben aus NATO-Kreisen zufolge sollen die USA zudem ihre Militärpräsenz auf Grönland ausweiten dürfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht über bestimmte Investitionen auf der rohstoffreichen Arktisinsel bekommen.
Großbritannien erhöht Truppenstärke in Norwegen
Großbritannien kündigte nun an, die Zahl seiner in Norwegen stationierten Soldaten innerhalb von drei Jahren von aktuell rund 1.000 auf 2.000 verdoppeln zu wollen. Dies solle auch zur Abschreckung in der Region beitragen. "Die Anforderungen an die Verteidigung steigen und Russland stellt die größte Bedrohung der Arktis und des hohen Nordens dar, die wir seit dem Kalten Krieg gesehen haben", sagte Verteidigungsminister John Healey.
Einen ähnlichen Einsatz wie "Arctic Sentry" hatte die NATO zuletzt im vergangenen September vor dem Hintergrund von Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets und Kamikaze-Drohnen gestartet. Er heißt "Eastern Sentry" ("Wächter des Ostens") und führte insbesondere zu einer Mobilisierung von zusätzlichen Überwachungs- und Flugabwehrkapazitäten. Deutschland stationierte Kampfjets vom Typ Eurofighter auf dem polnischen Militärflugplatz Malbork.
Datenanalyse: Luftqualität nur auf den ersten Blick gut

Eine Datenanalyse des WDR zeigt: Trotz messbarer Fortschritte bleibt die Luftqualität in deutschen Städten ein Problem. Neue EU-Grenzwerte könnten für einige Kommunen zur Herausforderung werden.
Die Luftqualität in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren verbessert: Alle Grenzwerte der europäischen Luftqualitätsrichtlinien wurden 2025 in Deutschland eingehalten. Das zeigt die vorläufige Auswertung der Messdaten der Bundesländer und des Umweltbundesamtes (UBA). Für Feinstaub ist es demnach bereits das achte Jahr in Folge, für Stickstoffdioxid das zweite Jahr. Allerdings lag die durchschnittliche Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid über der der Vorjahre.
Dirk Messner, Präsident des UBA, sagt, mit der Einhaltung aller Grenzwerte setze sich 2025 die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort. "Es bedarf dennoch weiterer Anstrengungen zur Verbesserung der Luftqualität."
Denn ab 2030 gelten strengere EU-Grenzwerte für die Luftqualität und schon im kommenden Jahr werden sie als Maßstab herangezogen. Überschreiten die Messstationen den künftigen Wert, müssen sogenannte Luftreinhaltepläne von den Kommunen aufgestellt werden, um 2030 die strengeren EU-Grenzwerte zu erreichen.
Fast die Hälfte verfehlt Grenzwerte
Vor allem große Ballungsgebiete mit dichtem Verkehr wie Berlin, Stuttgart und das Ruhrgebiet überschreiten die neuen Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub deutlich. Demnach weisen einige Messstationen besonders hohe Konzentrationen von Stickstoffdioxid und Feinstaub aus.
"Wir werden es wohl nicht schaffen, 2030 die Grenzwerte flächendeckend überall einzuhalten. Vor allem beim Stickstoffdioxid wird es in Städten an stark verkehrsgeprägten Standorten zu Überschreitungen kommen", sagt Ute Dauert vom UBA.
Debatte um Maßnahmen neu entfacht
Und das hat Folgen: Die neue EU-Richtlinie schreibt den Kommunen vor, frühzeitig Konzepte auszuarbeiten. Für die Verkehrsführung könnten die neuen Grenzwerte also an einigen Stellen für Veränderungen sorgen.
Kurzfristige Maßnahmen wurden schon vor Jahren im Zuge der Dieselabgasaffäre debattiert. So wurden etwa im Ruhrgebiet manche Straßen für den Schwerlastverkehr gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. In Innenstädten wie Stuttgart wurden Fahrverbote für alte Dieselfahrzeuge eingerichtet. München führte auf problematischen Straßen zwischenzeitlich Tempo 30 ein.
Neue Grenzwerte nicht streng genug?
Die WHO empfiehlt viel strengere Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft. Selbst minimale Mengen gelten wissenschaftlich nicht als völlig ungefährlich.
Langfristig sollen die Grenzwerte vollständig an die WHO-Richtwerte angepasst werden. Die Grenzwerte sollen Ende 2030 und danach alle fünf Jahre überprüft werden. Bis 2050 ist angestrebt, die Luftschadstoffe soweit zu reduzieren, dass die Verschmutzung als nicht mehr schädlich für Mensch und Umwelt gilt. "Die neuen europäischen Grenzwerte nähern sich zwar nur schrittweise an die deutlich ambitionierteren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation an. Dennoch führt jede Verbesserung der Luftqualität dazu, dass das Gesundheitsrisikos für die Gesamtbevölkerung sinkt", so Messner.
Feinstaub als größte Gesundheitsgefahr
Durch Stickstoffdioxid beispielsweise steigt das Risiko von chronischen Atemwegserkrankungen, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Als besonders gesundheitsgefährdend werden sehr kleine Feinstaub-Partikel eingestuft. Sie verbleiben nicht nur in der Lunge, sondern können in den Blutkreislauf gelangen. Die Folge: Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfälle. Auch das Risiko für Diabetes Typ 2 sowie Alzheimer und Demenz steigt. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.
Neben den gesundheitlichen Aspekten verweisen Forschende auf einen wirtschaftlichen Aspekt: Die durch Luftverschmutzung hervorgerufen Krankheiten erzeugen hohe Kosten im Gesundheitssystem.
Kabinettsbeschluss: Neues Gesetz soll für mehr Barrierefreiheit sorgen

Kaputter Fahrstuhl, Stufen oder fehlendes Bodenleitsystem: Für rund 13 Millionen Menschen mit Beeinträchtigung ist der Alltag in Deutschland noch immer voller Hürden. Eine Gesetzesreform soll das ändern.
Um Menschen mit Behinderungen den Alltag zu erleichtern, will die Bundesregierung die Vorgaben zur Barrierefreiheit verändern. Das Kabinett beschloss einen Entwurf des Bundessozialministeriums zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes.
Ziel ist, die Barrieren im privaten und öffentlichen Bereich in den kommenden Jahren schrittweise zu reduzieren. Insbesondere Bundesbehörden- und Gebäude sollen bis 2045 vollständig barrierefrei sein. Auch im Bereich von Dienstleistungen, Verkehr und digitalen Angeboten sind Verbesserungen geplant.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem sogenannten Benachteiligungsverbot: Demnach dürfen Menschen mit und ohne Behinderung nicht ohne zwingenden Grund unterschiedlich behandelt werden. Vorgesehen ist zudem ein niedrigschwelliges und kostenfreies Schlichtungsverfahren für Streitfälle. Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) hatte den Entwurf bereits im vergangenen Sommer in die regierungsinterne Abstimmung gegeben.
Regierung wirbt mit mehr Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen
Im privaten Bereich setzt das Gesetz auf flexible Lösungen statt auf konkrete Vorgaben. Die Regierung verweist auf mögliche positive Effekte für Unternehmen: Ein barrierefreier Zugang erschließe neue Kundengruppen und stärke die Wettbewerbsfähigkeit - gerade in einer alternden Gesellschaft.
Das Gesetz regelt nicht nur bauliche Inklusion, sondern auch Barrierefreiheit durch Gebärden- und leichte Sprache, sowie Brailleschrift für blinde Menschen. Unternehmen sollen sich künftig in einem Bundeskompetenzzentrum kostenlos Rat holen können.
Heimsieg gegen Leipzig: Erstmals seit sechs Jahren - Bayern zieht ins Halbfinale ein

Der FC Bayern zieht zum ersten Mal seit 2020 mal wieder ins Halbfinale des DFB-Pokals ein - weil RB Leipzig seine Chancen vergab und auch Pech mit dem Schiedsrichter hatte.
Beim letztlich aber nicht unverdienten 2:0 (0:0) für die Münchner, die zuletzt fünfmal in Serie nicht mal das Halbfinale dieses Wettbewerbs erreicht hatten, trafen einmal mehr Harry Kane (64.) und Luis Diaz (67.). Dieses Duo hatte schon am vergangenen Sonntag zusammen alle fünf Treffer beim 5:1 gegen Hoffenheim erzielt.
Leipzigs Linksverteidiger David Raum ärgerte sich anschließend im Sportschau-Interview: "Wenn du hier gewinnen willst, brauchst du auch Spielglück und richtige Entscheidungen vom Schiedsrichter - beides war leider nicht da. Es war trotzdem eine gute Leistung von uns, ich bin auch stolz auf meine Jungs. Aber am Ende stehen wir mit Nichts da." Bayern-Coach Vincent Kompany sagte der ARD: "Wir sind im Halbfinale, der März wird jetzt ein sehr interessanter Monat. Wir waren stabil heute. Und wenn man die Highlights dieser Partie sieht, dann sind da sehr viele Großchancen des FC Bayern dabei."
Starker Start der Leipziger
Die Leipziger waren allerdings furios in die Partie gestartet, drängten die Bayern in deren Stadion zunächst komplett in die Defensive. Nach fünf Minuten schien sich der verdiente Lohn einzustellen. Yan Diomande dribbelte sich auf engstem Raum filigran gegen drei Münchner durch, mit etwas Glück sprang die Kugel dann zu Christoph Baumgartner, der sich im Zweikampf mit Jonathan Tah durchsetzte und Manuel Neuer keine Chance ließ. Doch nach längerer VAR-Überprüfung fiel auf, dass Baumgartner minimal im Abseits gestanden hatte - der Treffer wurde aberkannt.
Erst in der 12. Minute wurden auch die Bayern mal gefährlich. Kane setzte sich im Strafraum durch, scheiterte aber an Leipzigs Pokalkeeper Maarten Vandervoort. Von dessen Fuß prallte die Kugel gegen das Schienbein von Willi Orban und trudelte Richtung der eigenen Torlinie - ehe Castello Lukeba in höchster Not klären konnte.
Ole Werner kritisiert Siebert: "Einfach schlecht"
Nach einer Viertelstunde erhöhten die Bayern dann merklich den Druck, Leipzig bekam nur noch wenig Entlastung zustande. Diaz (18.) und noch einmal Kane (21.) vergaben aber jeweils aus kurzer Distanz gute Einschussmöglichkeiten.
Die Leipziger fanden erst nach einer knappen halben Stunde mal wieder Zugriff - und sofort wurde es gefährlich. Flügelstürmer Antonio Nusa drängte Richtung Bayern-Strafraum, wurde aber kurz vor oder sogar auf der Sechzehner-Linie eindeutig regelwidrig von Josip Stanisic zu Fall gebracht. Schiedsrichter Daniel Siebert hätte die Wahl zwischen Freistoß und Elfmeter gehabt, dann wäre die Frage gewesen, ob der VAR den Beginn des Foulspiels minimal vor dem Strafraum oder das Zu-Fall-Bringen im Sechzehner zum Maßstab nimmt. Doch Siebert pfiff nicht mal das Foul, was RB-Coach Ole Werner an der Seitenlinie zum Kochen brachte - er sah Gelb.
Nach der Partie redete Werner dann Klartext: "Das Foul hat jeder im Stadion gesehen - außer vier Leute. Wobei der eine von den vier, der neben mir stand, der hat es ganz genau gesehen. Wenn man dann die Funkverdindung und diese ganzen technischen Möglichkeiten nicht nutzt, dann braucht man den ganzen Zirkus auch nicht. Wohin der VAR letztlich die Linie gelegt hätte, ist dahingestellt, aber wenn ich das nicht mal als Foul sehe, dann ist das einfach nur schlecht, tut mir leid."
Neuer und Vandervoort mit guten Reflexen
Bis zur Pause war die Partie dann wieder ausgeglichener, Leipzig befreite sich zunehmend aus der Umklammerung und setzte wieder eigene Nadelstiche. In der 37. Minute musste Neuer schon sehr gut reagieren, um einen Vollspannschuss von David Raum aus dem linken Winkel zu holen. Auf der anderen Seite testete Aleksandar Pavlovic in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ebenfalls den Keeper, Vandervoort lenkte den 20-Meter-Schuss aber noch um den Pfosten.
Auch im zweiten Durchgang ging es für beide Teams auf Augenhöhe weiter. Auf Leipziger Seite sorgte immer wieder Diomande für Gefahr, die Top-Chance zur Führung hatten aber die Bayern: Serge Gnabry scheiterte in der 58. Minute aus acht Metern am großartig reagierenden Vandervoort.
Kane mal wieder sicher vom Punkt
Nach einer guten Stunde wurde es dann hektisch. Für die Leipziger traf Mittelstürmer Romelu per Kopf aus kurzer Distanz die Latte - allerdings aus abseitsverdächtiger Position. Im direkten Gegenzug startete Josip Stanisic durch, Vandervoort rutschte beim Herauslaufen aus und holte den Kroaten von den Beinen - Kane verwandelte den Strafstoß sicher.
Drei Minuten später war die Partie dann entschieden. Zunächst vergab Michael Olise noch eine gute Möglichkeit, dann schickte der Franzose aber Diaz steil, der Orban locker abschüttelte und Vandervoort keine Chance ließ.
Leipzig ließ sich anschließend zwar nicht hängen, es war aber deutlich zu sehen, dass der Glaube an die eigene Chance nicht mehr wirklich vorhanden war. Das Halbfinale wird nun am 22. Februar ausgelost - neben den Bayern sind noch Bayer Leverkusen, der SC Freiburg und der VfB Stuttgart im Rennen.
Rodel-Doppelsitzer: Eitberger/Matschina gewinnen Olympia-Silber

Nächste Medaille im Eiskanal von Cortina. Die Doppelsitzerinnen Dajana Eitberger und Magdalena Matschina holen die Silbermedaille. Der Sieg bei der Oympia-Premiere der Doppelsitzer-Rodlerinnen ging an Italien.
Nach Silber im Einsitzer in Pyeongchang 2018 holt Dajana Eitberger auch in Cortina d'Ampezzo eine Olympische Medaille. Die 35-Jährige musste sich mit ihrer Partnerin Magdalena Matschina nur Italien geschlagen geben. Am Ende fehlten 0,120 Sekunden auf die siegreichen Andrea Vötter und Marion Oberhofer. Bronze ging an die Österreicherinnen Selina Egle und Lara Kipp, die als Favoritinnen auf Gold ins Rennen gegangen war.
Eitberger/Matschina nutzen österreichischen Patzer im ersten Lauf
Die österreichischen Favoritinnen Selina Egle und Lara Kipp, die als amtierende Weltmeisterinnen auch den Gesamtweltcup anführen, leisteten sich einen Fahrfehler und mussten mehrfach korrigieren. Trotz hoher Geschwindigkeit reichte es nicht, um an Italien vorbeizuziehen.
Die Lokalmatadorinnen Andrea Vötter und Marion Oberhofer, die schon im Training in jedem der sechs Läufe unter die besten drei gefahren waren, lieferten die schnellste Zeit. In 53,102 Sekunden bestätigten sie ihre Trainingsleistung.
Mit der Startnummer sechs ging das deutsche Duo an den Start. Direkt zu Beginn gerieten beide in die Bande, ließen anschließend aber eine fehlerlose und entsprechend schnelle Fahrt folgen, die zu Platz zwei hinter Italien reichte. Deutschland mit 0,022 Sekunden Rückstand zur Halbzeit auf Silberkurs.
Starker Lauf von Eitberger/Matschina reicht zu Olympia-Silber
Als Vierte nach dem ersten Lauf gingen die Letinnen Marta Robezniece und Kitja Bogdanova in die Bahn und verbesserten ihre Zeit aus dem ersten Durchgang deutlich. Die beiden Olympiadebütantinnen übernahmen zwischenzeitlich die Führung. Anschließend paddelten die favorisierten Österreicherinnen in die Eisrinne, waren aber langsamer als zuvor. Dennoch verdrängten sie die Lettinnen.
Dann musste Team Deutschland liefern. Die Fahrt begann für Eitberger/Matschina mit einem guten Start und der Vorsprung wuchs uns wuchs. Mit 0,139 Sekunden Vorsprung rasten sie ins Ziel. Schon da war klar, dass es mindestens Silber wird. Doch das letzte Wort hatten die Italienerinnen, die ihren Vorsprung auf Team Deutschland ausbauten und Olympiagold gewannen.
Eitberger holt als Erste Medaille im Ein- und Doppelsitzer
Dajana Eitberger gab hinterher zu, den ganzen Tag nervös gewesen zu sein. "Ich war heute sehr emotional, habe im Zehn-Minuten-Takt geheult", berichtete die 35-Jährige, für die es das letzte Olympia-Rennen gewesen war. Zugleich stellte sie eine neue Bestmarke auf. Nach Silber in Peking im Einsitzer holte sie als Erste nun auch im Doppelsitzer Edelmetall.
Auch Teamkollegin Matschina hatte mit den Nerven zu kämpfen, stellte aber klar: "Mir war scheißegal, was unten rauskommt. Ich wollte einfach nur Spaß haben." Den hatte die beiden und mit dem Gewinn der Silbermedaille die passende Krönung.
Rodel-Doppelsitzer: Nach Aufholjagd: Wendl/Arlt holen noch Bronze

Die Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt gewinnen ihre siebte olympische Medaille. Im Eiskanal von Cortina verpasst das Duo das angestrebte Olympiagold, darf sich nach einer Aufholjagd aber über Bronze freuen.
Die Freude über Bronze war groß bei Tobias Wendl und Tobias Arlt. Schließlich hatten beide nach einem eher missglückten ersten Durchgang nicht mehr mit einer Medaille rechnen können. Dank einer beherzten Fahrt im zweiten Lauf schoben sich die 38-Jährigen noch von dem fünften auf den dritten Rang, neun Zehntelsekunden fehlten zu Gold.
Der Sieg ging an die Lokalmatadoren Emanuel Rieder und Simon Kainzwaldner (1:45,086 Minuten) vor den Österreicherin Thomas Steu und Wolfgang Kindl (+0,068 Sekunden). Das zweite deutsche Duo Toni Eggert und Florian Müller wurde undankbarer Vierter.
Verrückter erster Lauf und enge Abstände
In einem engen ersten Lauf waren die Amerikaner Marcus Müller und Ansel Haugsjaa überraschend am schnellsten. Mit einer Zeit von 52,482 Sekunden verbesserten sie den von den Österreichern Thomas Steu und Wolfgang Kindl mit Startnummer eins gesetzten Bahnrekord um drei Tausendstelsekunden. Der hatte zuvor neun Duos lang gehalten.
Keine deutsche Medaille zur Halbzeit - Eggert/Müller überraschen
Die beiden deutschen Teams waren zur Halbzeit ohne Medaille. Die Gesamtweltcupführenden Tobias Wendl und Tobias Arlt (52,583 Sekunden) zeigten eine engagierte Fahrt, die zunächst auf Rang zwei führte. Damit bestätigten sie zumindest teilweise ihren Bundestrainer Patric Leitner, der vor dem Rennen versprochen hatte: "Die Tobis werden performen. Das sind Wettkampftypen."
Vor dem Finale hatten die beiden Bayern 0,101 Sekunden Rückstand auf die US-Amerikaner, die Gold-Hoffnungen waren da schon fast ausgeträumt. 0,84 Sekunden fehlten auf Rang drei, den Italien mit Emanuel Rieder und Simon Kranzwaldner belegte. An Wendl/Arlt zogen auch noch ihre Teamkollegen Toni Eggert und Florian Müller um vier Tausendstelsekunden vorbei. Es bahnte sich in vielerlei Hinsicht eine dicke Überraschung im Eiskanal von Cortina d'Ampezzo an.
Rodel-Tobis Wendl/Arlt schlagen zurück
Im zweiten Durchgang legten Wendl-Arlt einen Lauf vor, der schließlich zum Bronzelauf wurde. In 52,593 Sekunden bezwangen sie die Bahn und verdrängten damit nicht nur ihre Teamkollegen Eggert/Müller, die im zweiten Lauf nicht an ihre Zeit aus dem ersten herankamen. Den schnellsten Lauf setzten mit 52,587 Sekunden die Italiener, die zunächst die bayerischen Rodler verdrängten und deren Marke kein Team mehr unterbieten sollte.
Als Letztes stand nur noch Team USA oben. Die Zauberfahrt aus dem ersten Lauf konnte das Duo Müller/Haugsjaa aber nicht mehr wiederholen und fiel zurück. Anschließend durften Tobias Wendl und Tobias Arlt ihre siebte olympische Medaille bejubeln.
Nächtlicher Materialwechsel bringt die Bronzemedaille
"Das fühlt sich an wie Gold. Wir haben eine extrem bescheidene Woche hinter uns", maß Wendl der Medaille eine große Bedeutung bei. "Wir haben gekämpft. Wir haben von gestern auf heute das komplette Material umgestellt. Wir sind ohne Vorahnung, wie der Schlitten fährt, runtergefahren."
Noch am Renntag habe man am Schlitten gearbeitet, gab Teamkollege Arlt den Einblick, dass es nicht bei einer Nachtschicht geblieben war. "Wir haben heute früh noch weitergemacht und ich denke, wir haben die richtige Stellschraube gedreht." Das Ergebnis mache Hoffnung. Hoffnung für den Teamwettbewerb. Dann wollen die Rodel-Tobis ihr siebtes olympisches Gold.
Regional
Baden-Württemberg: Unwetterwarnung in BW: Deutscher Wetterdienst warnt vor Dauerregen und örtlich vor Gefahr für Leib und Leben

Schneeschmelze, Dauerregen und stürmische Böen sorgen in den kommenden Tagen für ungemütliches Wetter in Baden-Württemberg. Besonders im Schwarzwald drohen lokale Überschwemmungen.
Die Kombination aus Schneeschmelze, andauerndem Regen und Überschwemmungsgefahr kann in Teilen Baden-Württembergs zur Herausforderung werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat wegen Regen und starkem Tauwetter eine Unwetterwarnung der Stufe 3 von 4 für den Südschwarzwald herausgegeben.
Der Donnerstag beginnt regnerisch, lediglich im Nordosten Baden-Württembergs kann ab und zu die Sonne durchkommen. Ab dem Nachmittag breiten sich die dichten Wolkenfelder aus. Es regnet stärker, vor allem an den Südwesthängen und Westhängen des Schwarzwalds. In hohen Lagen erwartet der Deutsche Wetterdienst schwere Sturmböen bis hin zu orkanartigen Böen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 115 Kilometern pro Stunde.
Dauerregen könnte zu Überflutung von Straßen führen
Bis Freitagmorgen können hier Niederschlagsmengen von bis zu 120 Litern pro Quadratmeter fallen. "Das ist schon allerhand", sagte eine Meteorologin des DWD. "Das könnte die Flüsse ansteigen lassen und zu lokalen Überschwemmungen führen." Für den gesamten Schwarzwald sind erhebliche Regenmengen zwischen 60 und 90 Litern vorhergesagt, für den Odenwald etwa 40 bis 50 Liter. Hinzu kommt dann noch das Wasser des schmelzenden Schnees.
Der DWD warnt im Südschwarzwald vor großer Gefahr für Leib und Leben. Es könnten Straßen und Unterführungen überflutet werden, auch in gewässernahe Gebäude könne das Wasser eindringen. Drohe eine Überflutung, müsse der Keller sofort verlassen werden, warnen die Meteorologen. Zudem seien Erdrutsche möglich.
Mögliche Hochwassergefahr rund um die Donau in BW
Die Hochwasservorhersagezentrale (HWZ) warnt vor möglichen lokalen Überschwemmungen, insbesondere im Einzugsgebiet der oberen Donau bis Geisingen (Kreis Tuttlingen). Zwar bestehe derzeit keine überregionale Hochwassergefahr an den Flüssen, doch Starkregen und Gewitter könnten unabhängig vom Gewässernetz zu kurzfristigen Überflutungen führen.
Tief "Tamara" bringt Sturm und viel Regen
Das Tiefdruckgebiet "Tamara" sorgt landesweit für feuchtmilde Meeresluft, anhaltenden Regen und stürmischen Wind. Im Verlauf des Mittwochs werden starke bis stürmische Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern erwartet, in höheren Lagen weht der Wind noch deutlich stärker. Auf den Gipfeln des Schwarzwalds könnten Sturmböen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern erreichen.
Es bleibt fast durchgehend bedeckt. Die Temperaturen liegen zwischen Werten von 6 Grad im Südschwarzwald und bis zu 13 Grad am südlichen Oberrhein. Auch am Donnerstag bleibt das Wetter ungemütlich und nass, mit Höchstwerten von 5 Grad auf der Alb bis zu 14 Grad am Rhein.
Wie wird das Wetter am Wochenende?
Eine Besserung ist erst ab Freitag in Sicht, wenn der Regen voraussichtlich nachlassen wird. Trocken bleibt es allerdings nur kurz. Denn schon in der Nacht zum Samstag rechnet der DWD mit einem weiteren Niederschlagsgebiet, das nach Baden-Württemberg zieht - und das vor allem im Schwarzwald auch wieder Schnee bringen soll. Bereits am Freitag könne es oberhalb von 1.000 Metern Schnee oder Schneeregen geben, in der Nacht zum Samstag sinke die Schneefallgrenze dann ab, so eine Meteorologin. In den Morgenstunden sei dann auch bis ins Flachland Schnee möglich.
Berlin: Kind stirbt nach Hochhausbrand in Berlin

In Berlin ist bei einem Hochhausbrand ein Kind gestorben. Mindestens zwei Menschen wurden schwer verletzt, darunter ein weiteres Kind. Der Brand soll laut Feuerwehr inzwischen gelöscht sein.
Bei einem Hochhausbrand in Berlin-Friedrichsfelde (Lichtenberg) ist nach Feuerwehrangaben ein zunächst gerettetes Kind gestorben. Mindestens zwei Menschen wurden schwer verletzt, darunter ein weiteres Kind. Die Schwerverletzten waren unter Reanimationsmaßnahmen ins Krankenhaus gebracht worden, nach dem Abtransport hieß es gegen Mitternacht, dass ein Kind in der Klinik verstorben sei.
Den Brand in dem 21 Stockwerke hohen Gebäude habe man inzwischen löschen können, sagte Feuerwehrsprecher Gordian Scholz dem rbb am späten Abend.
Feuerwehr mit rund 170 Kräften vor Ort
Den Angaben zufolge war der Brand in der vierten Etage des Hochhauses in der Dolgenseestraße ausgebrochen. Um 19:56 Uhr sei die Feuerwehr alarmiert worden. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte habe eine Wohnung "in Vollbrand" gestanden. 60 Bewohnerinnen und Bewohner retteten sich teils selbst oder wurden von Einsatzkräften ins Freie gebracht, wie die Feuerwehr mitteilte. "Das Problem war hier die starke Verrauchung. Der Rauch hatte sich im gesamten Treppenhaus ausgebreitet", so Sprecher Scholz. Das Haus sei von den Einsatzkräften komplett evakuiert worden. Die Brandursache sei noch unklar.
Der Einsatz sei mit rund 170 Kräften erfolgt. Auch ein spezielles Modul für die Bewältigung eines Massenanfalls an Verletzten war nach ersten Feuerwehrangaben unter den alarmierten Einheiten.
Die Schwerverletzen seien von den Brandbekämpfern aus dem Flur vor den Wohnungen geborgen worden und hätten dann reanimiert werden müssen.
Gegen 23:30 Uhr wurden nach Angaben des Feuerwehrsprechers auch die letzten Nachlöscharbeiten beendet. In der Folge kämen die Spezialisten zur Brandursachenermittlung zum Einsatz und es werde geprüft, ob möglicherweise Bewohner des Hochhauses wieder in ihre Wohnungen zurück könnten.
Brandenburg, Berlin: Öffentlicher Dienst: Warnstreiks auch in Berlin und Brandenburg

Anlässlich der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst hatten die Gewerkschaften für Mittwoch erneut zum Warnstreik aufgerufen: in Berlin und Brandenburg unter anderem im Bildungseinrichtungen, bei Polizei und Feuerwehr sowie in Verwaltungen.
- Dritte Verhandlungsrunde für den Öffentlichen Dienst am Mittwoch
- Gewerkschaften hatten für den Tag zu Warnstreik aufgerufen
- Polizei, Ämter, Schulen, Kitas und Hochschulen in Berlin und Brandenburg betroffen
Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben am Mittwoch zu Einschränkungen bei Behörden oder Bildungseinrichtungen in Berlin und Brandenburg geführt. Dazu aufgerufen hatten die Gewerkschaften Verdi, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die IG-Bau und die Gewerkschaft der Polizei (GdP).
In Berlin waren Kitas, Schulen und Bezirksämter betroffen. Verdi-Sprecher Kalle Kunkel sagte dem rbb, er gehe von einer zweistelligen Anzahl an Kitas aus, die ihre Arbeit in Berlin eingestellt hätten und einer "relevanten Zahl", die nur eingeschränkt arbeiteten. Beschäftigte der Feuerwehr, Polizei und Senatsverwaltungen schlossen sich ebenfalls den Warnstreiks an und nahmen an einer großen Demo und Kundgebung in Potsdam teil.
In Brandenburg wurde bei Polizei, Hochschulen und den Landesministerien gestreikt.
Die Polizei hatte die Potsdamer am Mittwoch vor Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt gewarnt. Hintergrund der Warnung waren gleich mehrere Versammlungen der Gewerkschaften. So zog im Rahmen des Warnstreiks eine Demonstration vom Lustgarten zum Verhandlungsort, dem Kongresshotel, mit dem Abschluss einer Kundgebung am Verhandlungsort.
Verdi will mindestens ein Plus von 300 Euro
Die Gewerkschaften wollten zum Auftakt der dritten Verhandlungsrunde in Potsdam am Mittwochnachmittag den Druck verstärken. In den Tarifverhandlungen mit den Ländern fordert Verdi sieben Prozent mehr Lohn im Monat, zur Stärkung unterer Lohngruppen aber mindestens ein Plus von 300 Euro.
Der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), forderte Bewegung bei den Gewerkschaften. Die Länder hätten Angebote gemacht, die sich auf über fünf Prozent mehr Einkommen über eine Laufzeit von 26 Monaten beliefen.
Betroffen von den Verhandlungen sind insgesamt rund 2,2 Millionen Beschäftigte. Für mehr als 900.000 Tarifbeschäftigte wird direkt verhandelt. Auf rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamte sowie Versorgungsempfänger soll das Ergebnis später in den einzelnen Ländern per Gesetz übertragen werden, fordern die Gewerkschaften.
Bereits in den vergangenen Wochen hatte es Warnstreiks in etlichen Bundesländern gegeben, auch an Schulen vor allem in Ostdeutschland. In Berlin waren zuletzt auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) betroffen, ihre Mitarbeiter waren an diesem Mittwoch aber nicht zum Warnstreik aufgerufen.
Bremen: SPD und Grüne misstrauen Bremer Linken-Mitarbeiter der Fraktion

In den Reihen der Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Grünen gibt es wachsende Vorbehalte, sicherheitspolitisch sensible Inhalte gemeinsam mit der Linken zu beraten.
Konkreter Hintergrund ist nach Informationen von buten un binnen das Misstrauen gegenüber einem Mitarbeiter der Linksfraktion. Diesem werde von Bremer Sicherheitsbehörden attestiert, sich in einer linksextremen Organisation zu engagieren, die vom Verfassungsschutz beobachtet werde.
Da diese Informationen in einer Sitzung der Parlamentarischen Kontrollkommission (PKK) geflossen sein sollen, sprechen die meisten politischen Akteure nicht offen über den Vorgang. Denn in dem Gremium, das unter anderem den Verfassungsschutz kontrolliert, gilt Geheimhaltung.
Zusammenarbeit schwer vorstellbar
Aus der SPD ist dennoch zu hören, eine weitere Zusammenarbeit etwa am neuen Verfassungsschutzgesetz sei unter solchen Voraussetzungen mit der Linken schwer vorstellbar. Der SPD-Fraktionsvorsitzende und PKK-Vorsitzende Mustafa Güngör drückt es deutlich vorsichtiger aus:
Nach Informationen von buten un binnen gab es zum Fall des Linken-Mitarbeiters bereits deutliche Gespräche zwischen den Spitzen der Koalitionsfraktionen. Aus den Reihen von SPD und Grünen ist allerdings zu hören, dass die Angelegenheit noch nicht geklärt sei.
Oppositionsführerin Wiebke Winter (CDU) sieht sich durch den Fall in ihrer Überzeugung bestärkt, dass die Linke nicht länger als Regierungsfraktion tragbar sei.
Die Linke will sich auf Anfrage heute nicht zu dem Vorgang äußern. Den Namen ihres umstrittenen Mitarbeiters hat die Fraktion mittlerweile von ihrer Webseite gelöscht.
Hessen: Skyliners Frankfurt verlieren Achterbahnfahrt gegen Trier

Weit zurückgelegen, zurückgekämpft, dann doch verloren: Die Skyliners Frankfurt haben gegen Trier erneut eine Niederlage kassiert. Wieder einmal war es eine enge und spannende Partie.
Die Skyliners Frankfurt haben in der Basketball-Bundesliga eine unnötige Niederlage kassiert. Die Hessen verloren vor heimischer Kulisse gegen den Tabellenvierten aus Trier am Mittwoch in der Overtime mit 108:115 (41:44;95:95). Das bittere aus Sicht der Frankfurter: Die Skyliners hatten den Sieg eigentlich schon so gut wie sicher.
Nach einer echten Achterbahnfahrt über das gesamte Spiel lagen die Hessen im Schlussviertel trotz zwischenzeitlichem 11-Punkte-Rückstand drei Sekunden vor Schluss wieder mit zwei Punkten in Front. Das Spiel war eigentlich gedreht, aber: Nach einem unnötigen Foul von Will Christmas konnte Trier mit zwei Freiwürfen doch noch ausgleichen.
Zweite Niederlage in wenigen Wochen gegen Trier
Den Hessen war der Schock anzumerken, in der Overtime zogen die Gäste dann uneinholbar davon. Für die Frankfurter ist es bereits die zweite knappe Niederlage gegen Trier innerhalb weniger Wochen.
Nordrhein-Westfalen: Teurer Führerschein: Wann Fahrenüben strafbar ist - und wann nicht

Mehr als 3.000 Euro kostet mittlerweile ein Führerschein. Viel Geld - für viele zu viel. Deshalb will Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Kosten mit einem Reformpaket senken. Bis das greifen kann, dauert es noch lange.
Die Preise für den Führerschein klettern seit Jahren – und wer heute den „Lappen“ machen will, zahlt schnell so viel wie früher für einen gebrauchten Kleinwagen. Während die Politik Reformen will, die vor allem Fahrschulen die Stirn runzeln lassen, bleibt eine Frage drängender denn je: Was können angehende Fahrerinnen und Fahrer selbst tun, um die Kosten im Griff zu behalten? Wir zeigen, an welchen Stellschrauben ihr drehen könnt, damit der Weg zum Führerschein nicht zum finanziellen Härtetest wird.
Verkehrsübungsplätze können Sicherheit vermitteln
Für einen normalen Führerschein der Klasse B sind aktuelle 14 Doppelstunden Theorie und 12 Fahrstunden Pflicht. Die sind nicht verhandelbar, sodass sich die Kosten nur durch einen möglich günstigen Fahrschultarif drücken lassen. Zusätzlich kann man Zusatzkosten vermeiden, indem man beide Prüfungen auf Anhieb besteht und zusätzliche Übungsstunden vermeidet.
Nun hat nicht jeder nach zwölf Fahrstunden à 45 Minuten die nötige Sicherheit, um eine praktische Prüfung zu bestehen, bei der laut TÜV mehr als ein Drittel im ersten Anlauf durchfallen. Will man diese Sicherheit etwas günstiger beziehen, stehen einem dafür Verkehrsübungsplätze offen. Der ADAC betreibt einen in Kaarst, wo man als Nicht-Mitglied eine Stunde lang für 20 Euro (45 Minuten in der Fahrschule können zwischen 55 und 77 Euro kosten) üben kann.
Fahren ohne Führerschein im öffentlichen Raum ist eine Straftat
Ab 16 Jahren kann man sich in Kaarst hinter dem Pkw-Steuer den nötigen Feinschliff holen, wenn die Eltern das absegnen und jemand mit gültigem Führerschein neben einem sitzt. "Der Verkehrsübungsplatz wird von der jungen Generation gut angenommen", sagt der ADAC.
Auch das NRW-Innenministerium empfiehlt die günstigeren Übungsplätze im Land, von denen es etliche gibt - neben Kaarst beispielsweise in Recklinghausen, Mettmann, Köln und Olpe. "Das ist der gesicherte Raum, wo man üben sollte", so ein Sprecher des Ministeriums.
Wo Üben schnell zur Straftat wird
Wo man definitiv nicht üben sollte, seien Feldwege oder leere Parkplätze an Wochenenden. Da gelte die Straßenverkehrsordnung, und wer dort ohne gültige Fahrerlaubnis mit dem Auto fährt, mache sich strafbar. Dasselbe gelte für Fahrer, die das gestatten, so der Sprecher. Zudem warnt der TÜV davor, dass man bei einem Unfall auf den Kosten sitzen bleiben könne, weil die Versicherung nicht zahlt.
NRW-Innenministerium
Zudem ziehe das Fahren ohne Fahrerlaubnis laut ADAC in der Regel eine Sperrfrist für den Führerscheinerwerb nach sich, "deren Dauer von sechs Monaten bis fünf Jahren reichen kann". Neben den davor vorgesehenen Plätzen seien zum Üben laut Innenministerium lediglich noch private Grundstücke eine legitime Wahl, die aber besser klar abgegrenzt sein sollten - laut TÜV ein "öffentlich zugängliches Privatgrundstück mit Erlaubnis des Eigentümers".
Warten auf einen Preissturz lohnt sich laut TÜV und ADAC nicht
Ein gutes Mittel, um Kosten zu senken, ist laut ADAC der Vergleich mehrerer Fahrschulen: "Hier gibt es Unterschiede von teilweise 10 bis 20 Euro pro Fahrstunde. Das kann in Summe schon mehrere hundert Euro Ersparnis ausmachen", sagt ADAC-Sprecher Thomas Müther am Mittwoch auf WDR-Anfrage.
Wem der Führerschein auch ohne zusätzliche Übungsstunden zu teuer ist, dem kann Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband, trotz des von Schnieder angestoßenen Reformprozesses wenig Hoffnung auf einen baldigen Preissturz machen: "Ein Warten lohnt ich nicht. Vermutlich dauert das Gesetzgebungsverfahren circa 9 bis 12 Monate. Bis zum Inkrafttreten werden wir das Jahr 2027 schreiben."
Die Führerscheinausbildung aufzuschieben lohnt sich laut ADAC-Sprecher Thomas Müther nicht.
Abgesehen von mutmaßlichen positiven Effekten auf die Führerscheinkosten, reagieren ADAC, TÜV und der Fahrlehrerverband unterschiedlich auf Schnieders Reformpaket. "Wir sind entsetzt über die Pläne", sagt etwa Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein.
Reformpläne spalten Verbände: Von Entsetzen bis vorsichtigem Zuspruch
Zu Schnieders Plänen gehört die Möglichkeit eines reinen theoretischen Online-Unterrichts, weniger Fragen in der Theorieprüfung, weniger verpflichtende Sonderfahrten (z. B. Autobahn) und eine "Laienausbildung" durch Eltern oder Freunde, wie sie es in Österreich gibt. Bartels spricht da von einem "Angriff auf die Verkehrssicherheit".
Ganz so drastisch sieht man es bei ADAC und TÜV nicht. Sollten Fahrschulen die Wahlfreiheit zum kompletten digitalen Unterricht nutzen, könne laut TÜV die Prüfungsvorbereitung darunter leiden. Der ADAC begrüßt sogar die höhere Flexibilität des Ansatzes, der "die Erreichbarkeit von Fahrschulen für Fahrschüler gerade in ländlichen Regionen deutlich erleichtern" könne. Präsenz sei damit nicht vom Tisch, aber eben eine freie Entscheidung der Fahrschule. Müther sagt, es könne "sinnvoll sein, Inhalte mit besonders hoher Relevanz für die Verkehrssicherheit weiter in Präsenz zu vermitteln". Die Klärung der Sicherheitsfrage müsse auch geklärt sein, ehe man Sonderfahrten streicht.
ADAC begrüßt mehr Fahrpraxis durch "Laienausbildung"
Eine gekürzte Theorieprüfung sei eher ein "Risiko, sicherheitsrelevante Standards zu senken, ohne spürbare Kostenvorteile zu erzielen", sagt Goebelt. Fraglich sei auch der Ansatz der "Laienausbildung", weil Schnieder offen gelassen habe, wie die genau aussehen solle. Müther verweist allerdings auf die positiven Erfahrungen, die man in Deutschland bereits mit dem "Begleiteten Fahren" gemacht habe. Das leiste "wesentlichen Beitrag zu einem geringeren Unfallrisiko bei Fahranfängern".
Aber die Reform liegt noch in weiter Ferne, da sich Schnieder bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März erstmal auf ein Paket einigen muss. Noch sind es nur seine Pläne. Die Führerscheinkosten bleiben also erst mal hoch.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Thomas Müther, Leiter Kommunikation des ADAC Nordrhein
- WDR-Gespräch mit Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband
- NRW-Innenministerium
- ADAC-Fahrsicherheitszentrum Grevenbroich
Rheinland-Pfalz: Die Straßenfastnacht wird nass, an Rosenmontag droht Schnee

Närrinnen und Narren sollten Schirm und Schal einpacken: Die Straßenfastnacht wird nass, der Rosenmontag könnte sogar nochmal winterlich werden.
Am Donnerstag beginnt der Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Die Fastnachter sollten sich allerdings auf wenig lustiges Wetter einstellen. Wasserfeste Kostüme sind angesagt, am Wochenende und an Rosenmontag schaden auch warme Unterhosen nicht.
Bevor am Donnerstag die wilden Weiber die Rathäuser stürmen, regnete es sich am Mittwoch schon langsam ein. Wolken und Regen bestimmten das Wetter. Die Temperaturen lagen bei recht milden 6 bis 13 Grad. So wird es dann auch am Donnerstag zum Auftakt der Straßenfastnacht, der Freitag bringt ähnliches Wetter: Mild, windig und nass.
Am Wochenende kälter - Schneefall möglich
Zum Wochenende hin wird es deutlich ungemütlicher. In der Nacht zum Samstag fällt der Niederschlag zunächst noch als Regen, später aber zunehmend als Schnee. Mit Temperaturen um den Gefrierpunkt ist es deutlich kälter als zuletzt. Ob der Rosenmontag tatsächlich in den Schnee und nicht ins Wasser fällt, ist noch ungewiss. Klar ist nur: Es kommt was von oben, als Regen oder Schnee.
Saarland: Zwei schwere Unfälle in Höhe Völklingen-Wehrden

Gleich zwei schwere Unfälle haben sich am Mittwochmittag rund um die A620 bei Völklingen-Wehrden ereignet. Dabei wurden insgesamt sechs Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer.
Gegen 11.20 Uhr ist es am Mittwoch auf der Autobahn A620 bei Völklingen zu einem schweren Unfall unmittelbar vor dem Baustellenbereich gekommen. Das hat die Polizei Völklingen dem SR bestätigt.
Missglücktes Überholmanöver
Ein 24 Jahre alter Autofahrer aus Wadgassen war auf der linken Spur in Fahrtrichtung Saarlouis unterwegs und wollte rund 100 Meter vor der Ausfahrt Wehrden auf die rechte Fahrspur wechseln. Dabei übersah er aber einen neben ihm fahrenden Wagen und kollidierte mit diesem im Heckbereich.
Durch den Unfall wurde der zweite Wagen auf das Warntafel-Fahrzeug der Straßenverkehrssicherung geschoben. Sowohl der 24-jährige Unfallverursacher als auch die Insassen des zweiten Wagens, ein 32-Jähriger und ein einjähriges Kleinkind aus Wadgassen, wurden leicht verletzt.
Der Unfall verursachte einen langen Stau. Zur Beseitigung der Trümmerteile musste die Autobahn zeitweise komplett gesperrt werden, danach wurde der Verkehr einspurig vorbei geführt.
Zweiter Unfall an der Ausfahrt in Gegenrichtung
Kurze Zeit später, gegen 14.40 Uhr, ereignete sich dann ein weiterer Unfall in unmittelbarer Nähe: Ein 83-jähriger Autofahrer aus Saarbrücken war von der A620, Fahrtrichtung Saarbrücken, mit seinem Kombi an der Anschlussstelle Wehrden abgefahren und wollte auf die L387 einbiegen.
Dabei nahm er aber einem Amazon-Transporter die Vorfahrt, der auf der Landstraße aus Richtung Wadgassen kam. Beide Fahrzeuge stießen zusammen. Nach Polizeiangaben wurden der 83-jährige Saarbrücker und seine 82 Jahre alte Beifahrerin schwer verletzt, allerdings nicht lebensgefährlich. Der 24 Jahre alte Transporterfahrer zog sich leichte Verletzungen zu. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt.
Fahrer musste aus Auto befreit werden
Die Feuerwehr musste den eingeschlossenen Pkw-Fahrer mit technischem Gerät befreien. Der Rettungshubschrauber Christoph 16 brachte den Notarzt zum Unfallort. Die Straße war zeitweise voll gesperrt. Der von der A620 aus Saarbrücken kommende Verkehr wurde nach rechts abgeleitet zur Auffahrt Richtung Saarlouis.
Sachsen: Notruf-Zeiten: Südwestsachsen vorne - Landkreis Leipzig Schlusslicht

Zwölf Minuten soll es in Sachsen maximal vom Notruf bis zur Ankunft des Rettungungsdientes dauern. Diese Frist wird am besten in Südwestsachsen eingehalten. Das zeigen aktuelle Zahlen des Innenministeriums.
Zwölf Minuten sollen in Sachsen maximal vergehen - vom Notruf bis zur Ankunft des Rettungungsdienstes. Diese sogenannte Hilfsfrist wird am häufigsten in Südwestsachsen eingehalten. Das teilte das sächsische Innenministerium MDR SACHSEN mit. Zahlen für das zweite Halbjahr 2025 zeigen: In neun von zehn Fällen hält der Rettungsdienst Südwestsachsen mit den Geschäftsstellen in Plauen und Zwickau die Frist ein.
Am wenigsten wird die Frist den Angaben zufolge im Landkreis Leipzig eingehalten: Dort schafft der Rettungsdienst nur in 6,6 von zehn Fällen die Ankunft innerhalb von zwölf Minuten.
Landesweite "leichte Verbesserung" bei der Hilfsfrist zu sehen
Landesweit spricht das Ministerium von einer "leichten Verbesserung". Die Hilfsfrist umfasst die Dispositionszeit, die Ausrückzeit und die Fahrzeit. Knapp hinter Südwestsachsen landet die Stadt Dresden auf Platz zwei. Dritter ist der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dort wird die Hilfsfrist in 80 Prozent der Fälle eingehalten.
Sachsen-Anhalt: Wie ein Karnevalsverein die Kultur in Köthen belebt

In den kommenden Tagen stehen auch in Mitteldeutschland viele Karnevalsumzüge an. Damit wollen sie auch dafür werben, dass der ostdeutsche Karneval immaterielles Kulturerbe wird. Ein besonders traditionsreicher ist der Rosenmontagszug in Köthen: Dort zieht der alteingesessene Verein Kukakö durch die Straßen und stemmt den Umzug ganz alleine. Und noch mehr: Kukakö sorgt auch über Karneval hinaus für Kultur im Ort.
- Gemeinschaft ist alles: Der Kukakö bereitet den Rosenmontagszug in Köthen vor.
- Mittlerweile organisiert der Karnevalsverein ganzjährig Kultur für die Stadt.
- Der ostdeutsche Karneval soll immaterielles Kulturerbe werden.
Durch das Vereinhaus der 1. Köthener Karnevalsgesellschaft dröhnt ein Medley aus Popsongs. Pompons rascheln, Jugendliche tanzen im Gleichschritt, eine Drehung, ein Sprung – alles angeleitet von Kassandra. "Ich bin aufgeregt, weil es jedes Jahr ein neuer Tanz ist", erzählt die 16-Jährige. Sie ist Übungsleiterin der Garde beim Kukakö, schon seit zwei Jahren. "Man weiß ja nie, ob alles klappt. Aber eigentlich bin ich auch positiv: Wir haben gut geübt."
Verein Kukakö bedeutet für viele Freundschaft und Familie
Ob Gardetanz oder Cheerleading, dazu passende Kostüme und Musik – alles soll stimmen für die wichtigen Auftritte der Session. "Manchmal ist das Training anstrengend, weil jeder durcheinander redet", sagt Kassandra, die selbst schon Karnevalsprinzessin hier war. "Aber eigentlich macht es Spaß. Am Anfang des Trainings hat man viel zu erzählen, doch im Verlauf herrscht dann immer Disziplin."
Die meisten in der Gruppe sind Freundinnen. So wird der Köthener Karneval vor allem von einem getragen: Gemeinschaft. Und manchmal sogar von Familie. Till Mormann, seit vergangenem Jahr Präsident der Ersten Köthener Karnevalsgesellschaft, ist in den Karneval hereingeboren.
Verein wurde von SED verboten
Mormanns Vater belebte den Verein 1992 wieder, nachdem dieser – ursprünglich 1954 gegründet – wenig später von der SED verboten worden war. "Das hatte den Hintergrund, dass die SED Sorge hatte bei Massenveranstaltungen", erzählt Till Moormann.
"Wenn man sich das vorstellt – 50.000 Menschen auf einer Veranstaltung – da war natürlich die Sorge, dass das nicht in die Richtung läuft, wie sich das die SED vorgestellt hat."
Mehr als Karneval: "Kukakö" stärkt Kultur für die Stadt Köthen
Seit 1992 ist der Verein stetig gewachsen und trägt heute zu einem wesentlichen Teil der Kultur in Köthen bei. Mittlerweile beschränkt sich die Arbeit des Vereins längst nicht mehr nur auf die fünfte Jahreszeit: Neben dem Rosenmontagszug und Sitzungen organisiert der "Kukakö" auch Stadtfeste und Programm zur Weihnachtszeit – für die Narren, aber auch eine möglichst breite Stadtgesellschaft.
"Es muss machbar sein, dass Kultur für jeden zugänglich ist", sagt Mormann. "Natürlich können wir Saal-Veranstaltungen nicht kostenfrei anbieten. Aber mit den Großveranstaltungen, die wir im ganzen Jahr machen gibt es zumindest ein Stück weit Kultur, die für jeden zugänglich ist. Egal aus welcher Situation er kommt." So versteht sich der Verein längst als ein Kultur- und Karnevalsverein.
Ostdeutscher Karneval als immaterielles Kulturerbe?
Diesen Aspekt wollen die ostdeutschen Karnevalsverbände noch stärker gewürdigt wissen: mit einem Eintrag des ostdeutschen Karnevals als immaterielles Kulturerbe. Die gemeinsame Bewerbung der Landesverbände für eine Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis ging im vergangenen Jahr raus, nun heißt es warten.
Bis zu zwei Jahre kann die Entscheidung dauern. Dann könnte auch die ostdeutsche Karnevalstradition neben dem Rheinischen Karneval und der Schwäbisch-alemannischen Fastnacht als immaterielles Kulturerbe Deutschlands gelten.
Der Köthener Vereinspräsident Till Mormann erhofft sich davon eine noch größere Wertschätzung, gerade für das Ehrenamt dahinter. "Es gibt in Ostdeutschland jede Menge Menschen, die Karneval nicht nur als beiläufiges Hobby betreiben. Sondern die dafür Blut, Schweiß und Tränen aufwenden – und das soll auf diese Weise gewürdigt werden."
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze ist Vereinsmitglied
Ein weiterer Aspekt, der laut Mormann oft vergessen wird, ist die Bedeutung des Karnevals auch für die Wirtschaft: Süßwaren, Kostüm, Wagenbau – all das wirkt sich auf die Region aus. Und über die gemeinsamen Veranstaltungen entsteht ein enges Netzwerk aus Ehrenamtlichen, Künstlern und regionalen Unternehmen.
Eine Tradition, die über die Region hinausstrahlt: Am Rosenmontag wird unter anderem Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze vor Ort sein – übrigens seit Jahren Vereinsmitglied. Auch Kulturstaatsminister Robra kommt nach Köthen. Etwas aufgeregt ist man hier deshalb schon. Doch auch das gehört seit Jahren für den Kukakö dazu. "Den Stress brauchen wir auch", sagt Till Mormann. "Sonst würden wir das nicht tun, wenn wir keinen Spaß dran hätten. Karneval ist bei uns schon das Maß aller Dinge."
Hamburg: So lief der Warnstreik bei VHH-Bussen im Norden

Fahrgäste der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) haben am Mittwoch erneut mit Einschränkungen zu kämpfen gehabt: Die Gewerkschaft ver.di hat zum Warnstreik aufgerufen. Betroffen waren vor allem der Hamburger Westen und Norden sowie Linien in den Kreisen Pinneberg und Segeberg.
Zum Warnstreik aufgerufen waren bis Donnerstagmorgen um 3 Uhr die Busfahrerinnen und Busfahrer der Betriebshöfe am Volkspark sowie in Norderstedt, Quickborn, Elmshorn und Schenefeld.
Diese VHH-Linien sind betroffen
Spürbar waren die Auswirkungen bis in die Hamburger Innenstadt, denn auch die Express- und Metrobusse 1, 2, 3 und X3 wurden bestreikt.
Folgende Linien fielen aufgrund des Streiks komplett aus: 1, 22, 184, 185, 186, 188, 194, 196, 278, 281, 285, 286, 288, 293, 294, 296, 378, 384, 395, 488, 494, 588, 593, 595, 601, 794 und X95.
Auf diesen Linien fuhren vereinzelte Busse: 2, 3, 15, 21, 178, 189, 192, 193, 195, 284, 289, 295, 492, 594, 7141, X3, X21
Die Fahrten im Schulverkehr auf den Linien 478 und 6541 fanden statt. Auch der Schienenersatzverkehr auf der A3 verkehrte nach Fahrplan.
U- und S-Bahnen sollen wie gewohnt fahren
Anders als beim Warnstreik in der vergangenen Woche waren diesmal nur die VHH-Busse betroffen. U- und S-Bahnen, AKN und Hochbahnbusse fuhren wie gewohnt. Im Arbeitskampf bei der VHH geht es um Arbeitszeitreduzierung und Zulagen.
Ver.di fordert 35-Stunden-Woche und Urlaubsgeld
Ver.di fordert für die VHH-Beschäftigten unter anderem eine 35-Stunden-Woche und Urlaubsgeld in Höhe eines halben Monatslohns. Die Arbeitgeberseite habe aber nur eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von einer halben Stunde zum Fahrplanwechsel 2030/2031 angeboten und sei auf die Urlaubsgeldforderung gar nicht eingegangen, klagte ver.di. Die vierte Verhandlungsrunde ist für den 26. Februar geplant.
Die VHH haben nach eigenen Angaben rund 3.000 Mitarbeitende und etwa 800 Busse. Sie bezeichnen sich als das drittgrößte kommunale Busunternehmen Deutschlands. Die VHH sind überwiegend im Besitz der Stadt Hamburg.
Mecklenburg-Vorpommern: Bei Hagenow gefundene Leichenteile gehören zu vermisster Frau

Nach dem Fund von Leichenteilen in Goldenbow bei Hagenow ist die Herkunft dieser nun geklärt. Ein Mann sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.
Laut Staatsanwaltschaft Schwerin gehören die gefundenen Leichenteile zu einer 49-jährigen Frau aus Hagenow (Landkreis Ludwigslust-Parchim), die seit Mitte Dezember vermisst wurde. Die Leichenteile waren vor etwa einer Woche in Goldenbow von Ermittlern gefunden worden. Die Rechtsmedizin konnte diese jetzt mittels DNA-Abgleich zweifelsfrei der vermissten Frau zuordnen. Das hat die Staatsanwaltschaft dem NDR bestätigt.
Bekannter der Frau in Untersuchungshaft
Die Staatsanwaltschaft hatte bereits Anfang Januar Haftbefehl wegen Mordverdachts gegen einen Bekannten der Frau beantragt. Das Amtsgericht hatte diesen erlassen. Seitdem sitzt der 37-Jährige in Untersuchungshaft. Der Verdächtige steht demnach im Verdacht, die Frau aus einem finanziellen Motiv heraus getötet zu haben. Ob er sich inzwischen zum Tatvorwurf geäußert hat, konnte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht sagen.
Niedersachsen: Tipps der Polizei: Sicher und ohne Ärger Karneval und Fasching feiern

"Damit die Party nicht auf dem Revier endet": Die Polizei Northeim gibt Hinweise zu Weiberfastnacht und den Karnevalstagen. Was Närrinnen und Narren bei der Auswahl des Kostüms beachten sollten.
Auch beim Karneval und Fasching müssen Regeln eingehalten werden, betont die Polizei Northeim. Bei Verstößen müssten gegebenenfalls Kostüme oder das Zubehör abgegeben werden. Zudem drohen laut den Beamten Bußgelder - zum Teil sogar Strafverfahren. Damit es nicht so weit kommt, informiert die Polizei vorab über verbotene Verkleidungen, Gegenstände und Symbole.
Diese Regeln gelten laut Polizei für Kostüme zum Karneval:
- Waffen und Attrappen: Wer eine täuschend echte Waffe - eine Anscheinswaffe - dabei hat, muss mit hohen Bußgeldern rechnen. Anscheinswaffe haben nichts in der Öffentlichkeit verloren. Erlaubt ist aber erkennbares Spielzeug aus Plastik in knalligen Farben.
- Uniform-Kostüme: Kostüme, die eindeutig als solche erkennbar sind, dürfen getragen werden. Tabu sind aber Original-Uniformen mit echten Hoheitsabzeichen oder Dienstgraden. Wer zudem "Polizei spielt", begeht eine Amtsanmaßung.
- Verbotene Symbole: Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen sind streng verboten. Sie ziehen sofort ein Strafverfahren nach sich. "Hier gilt Null Toleranz", so die Polizei.
- Masken und Schminke: Beim Feiern ist beides erlaubt - am Steuer muss das Gesicht jedoch erkennbar sein. Also: Maske beim Autofahren absetzen. Andernfalls droht ein Bußgeld.
Schleswig-Holstein: Sondervermögen: Wo es in SH ankommt, wo es hilft - und wo nicht

Der Bund stellt Milliarden für Infrastruktur bereit, doch viele Kommunen sehen darin nur eine teilweise Hilfe. Der Sanierungsstau bleibt trotz der Finanzspritze hoch. Das Problem: strukturelle Defizite.
Die Landesregierung hat eine Vereinbarung mit den Kommunen, die regelt, wie das sogenannte Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität eingesetzt werden soll. Der Bund gibt Schleswig-Holstein insgesamt 3,4 Milliarden Euro, damit kaputte Straßen, Schulen, Kitas, Sportstätten und andere Gebäude repariert und saniert werden können. Davon fließen 2,1 Milliarden Euro direkt an die Kommunen. Ziel ist, dass das Geld schnell in den Haushalten eingeplant und genutzt wird.
So wird das Sondervermögen verteilt
Die Verteilung ist so: Kreisangehörige Städte und Gemeinden bekommen 47,2 Prozent, die Kreise selbst 26,8 Prozent, kreisfreie Städte 25,9 Prozent. Wieviel Geld jede Stadt oder Gemeinde genau bekommt, hängt vor allem von der Einwohnerzahl ab (90 Prozent) und ein wenig auch von der Finanzkraft (10 Prozent). Bedeutet: Wer mehr Menschen hat, bekommt mehr Geld. Wer wenig Steuereinnahmen hat, bekommt ein bisschen Extra-Hilfe.
Neumünster: Viel Geld, aber noch viel mehr nötig
Die Stadt Neumünster kann mit etwa 68 Millionen Euro aus dem Programm planen. Das klingt nach viel Geld, ist laut Oberbürgermeister Tobias Bergmann (CDU) aber bei weitem nicht genug, um alle Probleme zu lösen. Die Stadt habe einen Instandsetzungstau von rund 300 Millionen Euro.
Neben Straßen möchte Bergmann zum Beispiel auch Radwege, Kitas und Schulen sanieren. Die Stadt könne aber nur Projekte anfassen, die schon auf dem Hausaufgabenzettel stünden. Neue seien undenkbar, dafür reiche das Geld nicht aus. Für die Timm-Kröger-Schule etwa bemüht sich Neumünster nach seinen Worten um überdachte Fahrradständer und einen neuen Schulhof. Man rede hier über sechsstellige Beträge. Bergmann schätzt, dass die Stadt an insgesamt fünfzehn bis zwanzig Schulen etwas machen müsste. Das Geld aus dem Sondervermögen reiche aber nur für vielleicht drei bis vier Schulen. "Da wird viel auf der Strecke bleiben", bedauert Bergmann.
Laboe: Sondervermögen hilft nur kurzfristig
Ein anderes Beispiel: Die Gemeinde Laboe bekommt rund 2,4 Millionen Euro aus dem Fördertopf. Bürgermeister Heiko Voß (parteilos) freut sich, weil es so viel Geld noch nie für die Gemeinde gegeben habe. Er betont aber auch, dass der Sanierungsstau groß sei: Rathaus, Straßen, Promenade, Sportanlagen und Schwimmhalle verursachen nach seinen Worten Kosten in Millionenhöhe.
Die Folge: Trotz Rücklagen plane Laboe in diesem Jahr mit einem strukturellen Defizit von 1,1 Millionen Euro. Bedeutet: Im Haushalt reichen die regelmäßigen Einnahmen - wie zum Beispiel durch Steuern - nicht aus, um die laufenden Ausgaben zu decken.
Gemeindetag: Hilfe, aber kein Allheilmittel
Jörg Bülow vom Gemeindetag Schleswig-Holstein sagt, dass das Geld aus dem Sondervermögen des Bundes dabei hilft, wichtige Projekte zu bezahlen - vor allem, wenn die Kassen knapp sind. Es reiche aber nicht aus, um alle maroden oder alten Gebäude und Straßen in den Städten und Gemeinden zu reparieren.
"Die Kommunen brauchen mehr Geld, über das sie selbst entscheiden können", sagt Bülow. Dann könnten sie zum Beispiel Straßen und Gebäude reparieren, ihre Mitarbeiter bezahlen oder soziale Angebote finanzieren. Auch Schulen, Bibliotheken und Kulturzentren könnten so besser erhalten werden, glaubt er. Der Sanierungsstau ist auch nach Bülows Meinung ein strukturelles Problem. Er hoffe zwar, dass die Wirtschaft bald wieder stärker wächst. Aber auch wenn dadurch wieder mehr Steuereinnahmen fließen, müssten diese anders verteilt werden. Konkret findet Bülow: Die Kommunen sollten einen größeren Anteil der Umsatzsteuer und der Einkommenssteuer bekommen.
Finke: Bund soll zusätzliche Aufgaben finanzieren
Schleswig-Holsteins Innenministerin Finke (CDU) hat Verständnis für die Kommunen. Sie geht davon aus, dass viel Infrastruktur wie Straßen oder Brücken mit dem Sondervermögen repariert werden kann. Trotzdem bräuchten Städte und Gemeinden noch mehr Geld, um ihre Aufgaben gut zu schaffen. Es sei richtig, dass sich das Land beim Bund für mehr Geld einsetze, denn der Bund gebe den Kommunen immer wieder neue Aufgaben. Dafür müsse der Bund dann auch das nötige Geld geben, findet Finke.

